Wednesday, March 07, 2007

Die Mauer steht noch!

Berlin ist Berlin. Dachte ich immer. Berlin ist dreckig, aber cool. Berlin ist multikulti, aber nicht geteilt, jedenfalls seit einer ganzen Weile nicht mehr. Seit 17 Jahren oder so. Nur die Berliner sehen das anscheinend anders. „Wir haben zu viele Ostthemen“, sagte der, den ich für den Chef hielt, bei der Blattkritik am Montag. „Bringt da mal ein bisschen Abwechslung rein.“ Das war so ziemlich das erste, was ich von meinem Praktikum mitbekam. Gestern durfte ich dann meine erste große Story recherchieren: Im Naturkundemuseum. In Ost-Berlin. Heute ging's dann nach Charlottenburg, einem West-Politiker beim Blümchenpflanzen zuschauen. Und morgen mach ich Sport, also ich schreibe darüber. Das ist gelebte Abwechslung!


Ist toll hier übrigens, tolle Stadt, toller Job, tolle Wohnung. Mir geht’s gut. Hallo, Welt!

Saturday, March 03, 2007

Byebye, Mittweida

Ich hasse Abschiedszeremonien. Eine kurze Umarmung zum Schluss, wenn überhaupt, und ich bin weg. Ich packe mein Leben in Kisten und morgen packe ich es in Berlin wieder aus. Geil ist, dass sie es mir bald gleich tut und nur zwei Straßen weiter wohnen wird. Scheiße ist, dass fast alle mir wichtigen Leute hier bleiben. Wir werden die Hauptstadt rocken, aber ich werd den Studentenclub vermissen. Genau wie tausend andere Dinge. Aber Schluss jetzt. Ich packe. In Zukunft lest ihr hier News aus der Metropole. So hatte mein Blog ja auch mal angefangen: Das Zonenkind begibt sich in die große Stadt und erzählt den Daheimgebliebenen, was dort so geht. Geschichte wiederholt sich eben.

Thursday, March 01, 2007

Blog der Woche

Wie immer, wenn mir nix einfällt, was ich schreiben könnte - und das geht ja nun schon seit ner Weile so - verlinke ich irgendwas. Naja, nicht irgendwas. Gut muss es schon sein. Zum Beispiel so vielversprechend wie das Projekt Film 2.0. Sehr coole Idee, werd ich verfolgen.

[via]

Tuesday, February 06, 2007

Zeitverschwendung

Hilfe, ich habe das Lesen wieder entdeckt. Eigentlich hätte es nach der Lektüre von „Wir nennen es Arbeit“ wieder gut sein müssen. Uneingeschränkt empfehlenswert übrigens, dieses Buch, ich bin letzte Woche damit fertig geworden. Das sollte man auch lesen, wenn man eigentlich nicht liest, so wie ich. Nun ja: Es hätte wieder gut sein müssen, war es aber nicht. Denn ein gewisser niedersächsischer Germanistikstudent (zu allem Überfluss auch noch Lehramt!) „vergas“ ein Buch bei mir mit der hinterhältigen (lehreranwärtertypischen, weltverbesserischen?) Absicht, dass ich es lesen sollte. Dieses Buch heißt „Helden wie wir“. Mal abgesehen davon, dass das Buch nicht mehr taufrisch ist und ich es außerdem nicht gut heißen kann, von einem Wessi ein Buch über die DDR aufgedrängt zu bekommen: Abgesehen davon ist es großartig. Ich habe gestern damit angefangen und bin innerhalb weniger Stunden bei Seite 160 angekommen. Deshalb ahne ich Schlimmes. Ich fürchte einen Rückfall.


Früher nämlich war ich eine richtige Leseratte. Der Bücherschrank in meinem alten Kinderzimmer zeigt noch Spuren davon: Da reiht sich ein Fünfhundert-Seiten-Schmöker an den nächsten. Tom Sawyer und Huckleberry Finn, Robinson Crusoe, In 80 Tagen um die Welt. Später kam Momo dazu und Sophies Welt, dann Das Schweigen der Lämmer. Irgendwann entdeckte ich meine Leidenschaft für Douglas Adams und wollte jahrelang nichts anderes lesen. Danach konnte mich nur noch Illuminati fesseln. Das war in der 12. Klasse und ist somit längst Schnee von gestern. Ich hatte keinen Bock mehr auf Bücher: Die waren so zeitintensiv und führten zu nichts. Statt dessen las ich jeden Tag die Zeitung, regelmäßig Neon und Brand Eins und stöberte in Blogs.


Und jetzt hat es mich wieder. Es ist doch mit allen Hobbys so: Man ist süchtig, aber nur so lange, wie man genügend Zeit investieren kann oder will. Kann oder will man nicht, ist das Hobby keines mehr und man kann es gleich lassen. So hab ich mir vor Jahren das Computerspielen abgewöhnt, später das Fernsehen, und eben auch das Lesen ganzer Bücher. Da bleibt mehr Zeit für andere Dinge. Nur das tragische an aufgegebenen Hobbies ist: Fängt man einmal wieder an, erfolgt der sofortige Rückfall. Man denkt sich: Scheiße ey, ich hab ja ganz vergessen, das [beliebige Tätigkeit einsetzen] Spaß macht! Deshalb mach ich jetzt weiter, also mit dem Buch, in meinem Fall. Und danach ist wirklich wieder Schluss. Naja – fast. Schließlich hab ich hier noch eine Leihgabe von Tino rumliegen. Und irgendwann erscheint auch Morgenfeuer, darauf freu ich mich schließlich schon seit ner ganzen Weile. Aber dann, dann ist Schluss. Hilfe!!!

Sunday, February 04, 2007

Hilfe, meine Freundin ist Exhibitionistin

Anscheinend vertreiben sich gerade einige prüfungsgestresste Studenten die Zeit mit sinnlosen Google-Suchen. Und klauen damit auch mir die Zeit, weil ich den Drang verspüre, diese Suchbegriffe meinen Mitmenschen mitzuteilen. Zumindest als stark gepresste Top 10.


organspendeausweis gehirn

Gut zu wissen, dass irgendwo da draußen jemand die gleichen Sorgen hat wie ich.


auslandserfahrung wie lang soll man leben

Man lebt genau so lange, wie man nicht stirbt. Auch im Ausland.


sex mittweida

Bitte? Gibt’s hier nicht. Nein, echt nicht, wir machen sowas nicht. Doch nicht in Mittweida! Ist mir egal, woher du diese Gerüchte hast. Such woanders.


freundin exhibitionistin

Lass sie doch.


strippoker verloren

Ich ahne langsam, was die Leute lesen wollen. Womöglich noch bebildert?


nu dresdner zustimmung

Nu, so ist das bei den Dresdnern.


co2 ausstoß vw fox

Schön, dass ich helfen konnte.


motorhaube geht nicht mehr auf

Haha!


ich wäre lieber ein junge gewesen

Ich auch. Bis ich in die Pubertät kam und unter anderem froh war, keinen Stimmbruch durchmachen zu müssen. Übrigens, bevor du auf dumme Gedanken kommst: Crossdress-Aktionen auf Partys erweisen sich als eher kontraproduktiv.


eigentlich wollte ich grusskarte blumen

Vielleicht findet Google ja eine, wenn du noch "bitte" dazu schreibst.

Wednesday, January 31, 2007

Des Deutschen liebstes Kind

„Merkel jetzt auch Auto-Kanzlerin“ titelt heute die Berliner Zeitung. Mir ist bei meiner täglichen Frühstücks-Lektüre fast das Nutellabrot im Hals stecken geblieben. Ich meine, ich mag die Merkel. Das ist meine Pflicht als Frau und Ossi. Aber was sie da gerade tut, ist die dämlichste Aktion seit Beginn ihrer Amtszeit: Sie stellt sich im Streit um neue Abgasnormen auf die Seite der deutschen Autobauer.


Der Sachverhalt: Die EU will ab 2012 einen einheitlichen Durchschnitts-Grenzwert für den CO2-Ausstoß von Neuwagen. Der soll bei 120 Gramm Kohlendioxid je Kilometer liegen. Ob das jetzt viel oder wenig ist, mag ich kaum beurteilen, verständlich ist es aber, Klimaschutz und so. Und was tun die deutschen Autobauer? Ningeln, dass die Grenze zu streng ist. Und drohen. Mit Arbeitsplatzabbau.


Aber mal Hand aufs Herz. Da ist eine Sache, die will mir als bekennender Kapitalistin einfach nicht ins Hirn. Warum zur Hölle stemmen sich die deutschen Autobauer so gegen den Fortschritt? Die schießen sich doch selbst in den Fuß. Ich meine, wer kauft denn in 10 Jahren noch ein Auto, was einen Spritverbrauch von 8, 10 oder noch mehr Litern auf 100 km hat? Das kann sich doch kein Mensch mehr leisten. Und vielleicht achtet auch der eine oder andere Autokäufer auf den CO2-Wert. Die Holländer auf jeden Fall, nachdem sie alle flüchten mussten, als wegen der globalen Erwärmung die Polarkappen schmolzen und die Niederlande komplett überschwemmt wurden. Und über 16 Millionen Holländer sind ein ganz schön großer Absatzmarkt für schadstoffarme Autos.


Abgesehen davon, und das weiß ich aus dem grandiosen Film, den ich am Montag gesehen habe: Japan hat viel strengere Schadstoffnormen als Europa. Das heißt, wir können jetzt schon keine 7er BMWs in den fernen Osten exportieren. Und 127 Millionen Japaner wären ein ganz schön großer Absatzmarkt für deutsche Autos.


Statt dessen fahren umgekehrt die Deutschen japanische Autos, ich zum Beispiel. Und wenn ich mir den Vergleich erlauben darf, was Spritverbrauch und CO2-Emission angeht: Mein Toyota Aygo verbraucht laut Herstellerangabe 4,6 Liter auf 100 Kilometer (in der Praxis ca 5,5). Der VW Fox dagegen verbraucht – laut Herstellerangabe – 6 Liter. Dabei hat er sogar weniger KW! Noch krasser ist der Unterschied beim Kohlendioxid-Ausstoß: 109 g/km (Aygo) gegen 143 g/km (Fox). Sorry, der Punkt geht an die Japaner.


Und hier sieht man auch den Grund für die Fortschrittsfeindlichkeit: Sogar der allerkleinste VW liegt absolut jenseits der angepeilten EU-Durchschnittsnorm, die bei 120 g/km liegen soll. VW müsste also forschen, investieren, weiter forschen und zwar fleißig, um hier mithalten zu können. Die Japaner dagegen könnten ihre Autos einfach so lassen, wie sie sind, und dürften sie 2012 immer noch nach Europa exportieren. Junge, die sind uns meilenweit voraus.


Aber ist das ein Grund, Lobbyarbeit gegen geplante EU-Normen zu betreiben? Nö, im Gegenteil! Wenn die deutschen Autobauer nicht mitziehen, verkaufen sie halt irgendwann keine Autos mehr. Und die Branche stirbt komplett. Also, beißt gefälligst in den sauren Apfel! Und Merkel sollte sich da raus halten. Sonst ist sie irgendwann Schuld, dass deutsche Autos kein bisschen konkurrenzfähig sind. Und was dann? Importstopp für ausländische Ware, um die Branche zu retten? Wir sind doch nicht im Mittelalter.

Monday, January 29, 2007

Tagestipp

Für den zumindest temporären Ausbruch aus dem alltäglichen Wahninn empfehle ich diese Seite. Wie könnte es anders sein: Auch eine Mittweidaer Produktion hat sich bereits dorthin verirrt. Bin gespannt, ob es noch mehr werden.

Friday, January 26, 2007

Neue Wintersportart!


Schnee ist doch auch nur Wasser.

Friday, January 12, 2007

Rauchzeichen II

Mein postweihnachtlicher Kreativflash ist endgültig vorbei. Schade eigentlich, es war so schön. Mutmaßlicher Täter ist die Zeit, die sich pünktlich zum Jahreswechsel aus meinem Leben verpisst hat, doch leider kann ich ihr nichts nachweisen.


Genug Themen hätte ich ja. Zum Beispiel war ich beim Frisör, am Mittwoch, nachdem ich aufgrund unvorhergesehener Ereignisse erst mal kräftig verpennt hatte. Unvorhergesehene Ereignisse, ich liebe diese Phrase, die kann man immer benutzen. Selbst wenn man einfach spät ins Bett gegangen ist. Jedenfalls hatte ich dadurch weder Zeit zu frühstücken, noch mich zu schminken. Dabei hatte ich mir geschworen, diesen Fehler nie wieder zu machen: Ungeschminkt zum Frisör zu gehen. Schließlich sitzt man da in der Regel vor einem Spiegel, und das drei Stunden lang, wenn man weiblich ist. Und sich drei Stunden lang Pickel und Augenringe anzuschauen, ist einfach nicht gut fürs Ego. Zumindest, wenn es die eigenen sind. Soviel dazu.


Und dann das Thema lernen! Ich hab es schon immer gehasst. Nicht jenes lernen, das man nebenbei und mit Freude erledigt, wenn man vom Leben lernt, wie man so schön sagt – nein, ich meine lernen im Sinne von pauken. Deshalb hab ich Lernfächer wie Biologie frühstmöglich abgewählt, und mich auf die Können-Fächer wie Mathe konzentriert. Und Englisch, das war mein zweiter Leistungskurs. Selten so ein arbeitsunintensives Fach gehabt. Was das Deutsch-Abi angeht, hab ich mir Literaturgeschichte nur unter leichtem Alkoholeinfluss aneignen können. Eigentlich ist das schrecklich und nur unter dem Gesichtspunkt akzeptabel, dass ich trotzdem ein Einserabi habe. Aber ich will ja nicht prahlen.


Tja, leider ist die Schulzeit längst vorbei, und das Hardcore-Lernen hat mich dann irgendwann eingeholt. Spätestens im letzten Semester im Fach Elektronik. Und ab heute wieder, was die Drucktechnik angeht. Deshalb muss ich euch sagen: Wundert euch nicht, warum ich gerade so wenig blogge. Ich tauche erst mal ab. Aber ich komme wieder. Wie ein Virus. Niemand weiß, wo er gerade ist, bis er ausbricht. Und ja, das soll eine Drohung sein.

Friday, January 05, 2007

Spenderhirn

Zuerst die gute Nachricht: Ich lebe noch. Das wird jetzt einige freuen. Einige werden sich vielleicht auch denken, Mist, wieder nix. Aber so ist das nun mal im Leben, man kann es nie jedem Recht machen.


Trotzdem lieg ich gerade im Bett und leide ein bisschen. Zum einen unter Schlafmangel, zum anderen unter körperlichen Schäden. Zum Beispiel dieser blaue Fleck direkt an der Stelle, wo sich bei normalen Menschen der Hüftknochen befindet. Bei mir eigentlich auch, nur wird er halt momentan von einem Bluterguss verdeckt, weil der Knochen gestern mit Kati kollidiert ist. Die ist wohl irgendwie beim tanzen umgefallen und hat mir ein beliebiges Körperteil, zum Beispiel Kopf oder Ellenbogen, entgegen geschleudert. Ich hoffe, es geht ihr gut.


Ich habe über eine Gehirntransplantation nachgedacht. Rein hypothetisch natürlich, denn ich bin mit meinen Gehirn so wie es ist vollkommen zufrieden. Ihr wisst schon, never touch a running system. Aber heutzutage kann man ja alles transplantieren. Deshalb hab ich mir vorgestellt, in meinem Organspendeausweis gäbe es die Option „Gehirn spenden“. Soll heißen, angenommen, ich sterbe, aber mein Gehirn bleibt ganz, kann es irgend einem armen Irren zur Verfügung gestellt werden, bei dem es andersrum war. Also einem, der dummerweise hirntot, aber ansonsten intakt ist. Wär ja nett, ich meine, zur Zeit warten etwa 6.833 Komapatienten auf ein Spenderhirn. So, und jetzt kommt das Problem: Nach geglückter Transplantation, ist der Hirntote dann er selbst mit einem neuen Gehirn? Oder bin das ich mit einem neuen Körper? Davon krieg ich nen Knoten ins Hirn, ehrlich. Und dann hat sich die Weiterverarbeitung auch erledigt.

Wednesday, January 03, 2007

Mit dem Essen spricht man nicht

Am Montag lief „Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen“, eine schnulzige Zickenkomödie, von der ich mir immerhin die erste halbe Stunde rein zog. Daheim bei meinen Eltern, versteht sich, schließlich hab ich in meiner Wohnung keinen Fernseher, und zog es auch vor, dahin zu flüchten, nachdem sich langsam der fehlende Realismus dieses Filmes andeutete. Ich hätte es wissen müssen. Eine „Weisheit“, die er vermittelt, war folgende: Ruf niemals mitten in der Nacht deinen Freund an und erzähl ihm, was du heute alles gegessen hast! Hab ich noch nie gemacht. Wozu auch? Gibt es Menschen Frauen, die so etwas tun?


Jetzt juckt es mir aber in den Fingern, partiell gegen diese "Weisheit" zu verstoßen. Ich meine, es ist nicht mitten in der Nacht, sondern gerade mal Mittags. Und ich werde nicht meinen Freund anrufen – wo sollte ich da auch so schnell einen hernehmen, nicht wahr – sondern ich werde meine gesamte Leserschaft belästigen. Damit:



Mein Mitbewohner, der anscheinend unbedingt mal wieder im Blog erwähnt werden möchte, hat mir mit dem Tode gedroht. Die meisten durch Lebensmittel verursachten Todesfälle würden durch verdorbenen Fisch verursacht, hat er gesagt. Deshalb: Finger weg vom Sushi von gestern. Aber wie schlimm kann es schon sein? Schlimmer als Mensa? Glaub ich kaum. Das Zeug wurde schließlich vor maximal 15 Stunden frisch zubereitet und gekühlt aufbewahrt, soll man ja immer tun. Außerdem bringt mich so schnell nichts um, wie schon mit Pilzen vorgemacht. Deshalb hab ich den todesmutigen Selbstversuch gestartet. Beim nächsten Post wisst ihr, ob ich noch lebe.

Sprachprobleme?

Ich bin Dialektanpasserin. In meiner Zeit in Hannover sprach ich Hochdeutsch, sagte „viertel vor zwölf“ statt „dreiviertel zwölf“ und „krökeln“, wenn ich kickern meinte. Telefoniere ich mit meiner Chefin, genauer gesagt der Nachhilfeinstitutschefin, dann verfalle ich in diesen Dresdner-Umland-Singsang. Außerdem verdreifacht sich die Benutzungsrate des schönen Wortes „Nu“, welches in diesen Gefilden für jegliche Art der Zustimmung benutzt wird, um es für die Wessis unter meinen Lesern mal zu erklären – schließlich sorgt „Nu“ gern für Missverständnisse, da es in weiten Teilen Deutschlands als Variante von „Nö“ gedeutet und somit komplett falsch verstanden wird. Und auch Berlin wird meiner Aussprache nicht gut tun, denn nach den drei Tagen Urlaub vor ein paar Jahren hab ick och janz komisch geredet.


Die Wurzeln dieser Macke liegen – wie immer – in frühester Kindheit begraben. Wir haben nämlich Verwandte im Sauerland. Die Cousine meiner Oma ist irgendwann dahin ausgewandert und hat eine ganze Sippschaft herangezogen. Einer ihrer Söhne ist etwa im Alter meiner Eltern, und so kam es, dass er uns hin und wieder einen Besuch abstattete, samt Frau und einer wachsenden Anzahl von Kindern. Deren Familienkutsche, ein dunkelgrüner Peugeot, ist übrigens eine meiner frühesten, weil exotischsten Kindheitserinnerungen. Denn selbst in den ersten paar Jahren nach dem Mauerfall sah man solche Wagen hier selten. Wie gesagt: Ich bin Dorfkind. Wir hatten einen Trabbi. Und ab '92 einen grauen Toyota.


Aber zurück zu den Verwandten aus dem Sauerland. Die und meine Eltern hatten, wie der Zufall es will, nahezu zeitgleich ihre ersten beiden Töchter in die Welt gesetzt, was praktisch war, denn so hatten meine Schwester und ich jeweils jemanden zum Spielen. Die Besuche dauerten in der Regel vier oder fünf Tage und waren immer von derselben Metamorphose gekennzeichnet: Am Anfang standen derbe Kommunikationsprobleme.


Auch wenn ich heute dem Sauerländer an sich ein ordentliches Deutsch zutraue, waren diese Laute mir damals fremd. Ich glaube sogar, es hätte keine Rolle gespielt, wäre die Verwandtschaft statt aus Balve aus Würzburg, Kiel oder Tübingen gekommen. Umgekehrt lief es natürlich keinen Deut besser, denn Sauerländer Kleinkinder werden selten mit sächsisch konfrontiert. Wir verständigten uns also zunächst mit Händen und Füßen und fanden uns im Crashkurs „Westdeutsch für Autodidakten“ wieder – bzw Ostdeutsch, im umgekehrten Fall. Nach zwei Tagen hatten wir das Prinzip begriffen und stritten schon beim Frühstück darüber, ob man „Das Nutella“ (Sauerland) oder „Die Nutella“ (Sachsen) sagt. Nach fünf Tagen war der Idenditätswechsel komplett. Meine Balver Urgroßcousine sprach sächsisch. Ich nicht mehr.

Monday, January 01, 2007

Neujahrsschock

Erst mal, weil man so einen Jahreswechsel schwerlich ignorieren kann, wünsch ich allen Lesern ein tolles Neues! Aber ich will mich nich lang bei Partyberichten aufhalten, nur so viel, ich hab's gut überstanden und bin überraschenderweise annähernd katerfrei auf einer mitten in Dresden drapierten Luftmatratze aufgewacht. Also, nich falsch verstehen, um die Luftmatratze war schon noch ein Haus drum rum. Viel skurriler meine erste außerplanmäßige Amtshandlung im neuen Jahr – natürlich nach dem obligatorischen Feuerwerk angucken, kollektive Sentimentalität heucheln, SMS beantworten, mehr oder weniger tiefsinnige Gespräche führen – mit bekannten („Susi, soll ich dir mal sagen, wie lang ich schon keinen Sex mehr hatte?!“) und unbekannten Menschen („Was habt ihr Frauen eigentlich gegen nette Typen?“) – telefonieren, schlafen, duschen, frühstücken, heim fahren.


Kurze Vorgeschichte zum besseren Verständnis der gleich folgenden Story: Ich bin Geruchsfetischist. Das ist der Grund, wieso ich immer mit offenem Fenster schlafe und es morgens erst schließe, nachdem ich geduscht habe. Oder wieso ich keine Haustiere mag außer stubenreine Katzen. Oder wieso ich in meinem Zimmer nur in absoluten Ausnahmefällen esse – also zumindest Sachen, die riechen, womit fast alles ausfällt außer Kaffee, denn Kaffeegeruch mag ich. Jedenfalls war ich am heutigen Neujahrsnachmittag beim heimkehren einer regelrechten Geruchstortur ausgesetzt, einer irgendwie undefinierbaren noch dazu. Ich schob es auf silvesterlichen Alkohol, Festessen und fremde Menschen, öffnete die Fenster und wartete. Aber irgendwas war da noch, im Flur, da roch es unangenehm bekannt. Und da hing frisch gewaschene Wäsche, meine Bettwäsche, gewaschen mit einer neuen Sorte Weichspüler, wie ein kurzes Verhör meiner Mutter ergab. Was sie nicht wissen konnte: Meine Wäsche riecht jetzt nach einer Person, nach der sie absolut nicht riechen sollte, die aber wohl das selbe Waschmittel verwendet. Manchmal hasse ich meine empfindliche Nase.


Erste außerplanmäßige Amtshandlung im neuen Jahr: Groß angelegte Sagrotan-Attacke.


Erster guter Vorsatz: Wäsche vorerst nicht mehr zu Hause waschen, bis Weichspüler alle ist.


Erster paranoider Gedanke: Alles von langer Hand geplant, um wöchentliche Wäschemenge zu reduzieren?

Sunday, December 31, 2006

Die Geschichte mit dem BH

Des Rätsels Lösung oder: Wie das passieren konnte.


Es begann in meiner damaligen Lieblingsdisco, dem CULT in Neukirchen. „Damalig“ aber nicht aufgrund dieser Geschichte, sondern aufgrund eines sich wandelnden Musikgeschmacks und einer zunehmenden Leere dieser Discothek. Doch das tut jetzt nichts zur Sache, meine Freunde und ich waren vermutlich wegen Sven Väth da, dem absoluten Gott der Techno-Szene, der in längst vergangenen Zeiten hin und wieder im CULT die Platten drehte. Da sich der Mainfloor im ersten Stock befand, musste man wohl oder übel zuerst den House-Floor durchqueren, was genügend Gäste zum bleiben und zum Genuss des ersten Bieres bewog, anstatt gleich ach oben zu gehen. So auch wir, denn bis Sven endlich auflegen sollte, hatten wir noch ein Stündchen tot zu schlagen.


Diese Fernsehchickse muss das gerochen haben, denn sie sprach mich an, bevor ich überhaupt einen Kameramann entdecken konnte, geschweige denn einen Kabelträger. MTV-Sendung... Gewinnspiel... Geld... soviel kam bei mir an. Geld? Ich bin dabei. Folgendermaßen sollte es ablaufen: Am Anfang der Sendung wird von beiden Seiten ein Einsatz festgelegt. Mir werden drei Fragen gestellt. Antworte ich falsch, hab ich immerhin zwei Joker, was sich praktisch so gestaltet, dass ich aus drei Steckdosen eine auswählen muss. An dieser wird im folgenden eine Säge, ein Tacker oder ein ähnliches Kaputtmachgerät angestöpselt und, falls es die falsche war, auch erfolgreich in Betrieb genommen. Überstehe ich die drei Fragen, bekomme ich die ausgehandelte Kohle, antworte ich falsch und wähle dann auch noch die falsche Dose, bin ich den Einsatz los. Soweit, so gut, das klingt nicht sonderlich gefährlich.


Den Gewinn handelte ich auf 180 Euro hoch – muss sich ja lohnen, schließlich dürft ihr meine Visage filmen. Mein Einsatz sollte ein Autoreifen sein, aber lass mal, wir sind zu fünft und kommen von etwas weiter weg. Ob wir uns auf meinen BH einigen können? Klar – der schien mir das Geld wert zu sein. Da ich schon damals ein ziemlicher Fernsehmuffel war – erst recht, was MTV angeht – sagte mir die Sendung rein gar nichts. Auch den Moderator, der wohl ziemlich bekannt sein musste, hatte ich noch nie zuvor gesehen. Und das solche Fragen auf mich zukommen würden, tja, davon hatte ich am wenigsten Plan: „Wer ist in der letzten Sendung von 'Deutschland sucht den Superstar' ausgeschieden?“


Fuck. Leute, ich hab Abitur, aber keinen Fernseher. Woher soll ich das wissen? Da musste schon der erste Joker ran. Mein BH war längst auf dem mit „Loser“ beschrifteten Holzbrett drapiert worden. Mittlere Steckdose, bitte. Tacker ansetzen... Und scheiße, er funktioniert. Noch etwas Farbe zur Deko – dann durfte ich das Andenken mit nach Hause nehmen. Ob diese peinliche Aktion jemals gesendet wurde, weiß ich nicht – schließlich hab ich keinen Fernseher.

Friday, December 29, 2006

Fremde Federn

„Meine Freundin Bine ist ja jetzt in Australien“, höre ich mich hin und wieder sagen. Eigentlich sag ich das immer, wenn das Gespräch auf Down Under im speziellen oder große Reisen im allgemeinen kommt. Dieser Satz klingt auch viel besser, als zuzugeben: „Ich war noch nie auf der Südhalbkugel, redet mal ohne mich weiter, ich hab zu dem Thema nichts beizutragen.“ Ich schiebe also Sabine vor und täusche damit darüber hinweg, dass ich selbst Europa noch nie verlassen habe und sich meine Auslandserfahrung vorerst auf die klassischen Urlaubsländer im Südwesten unseres Kontinents erstreckt. Okay, zwei Inseln waren auch dabei, und es waren nicht Mallorca und Ibiza. Das ist doch schon mal was. Bravo.


Nun ist es aber nicht das Thema Ausland an sich, was mich wurmt. Diesem Manko könnte ich ja einfach mit einer Reise nach Argentinien oder Kapstadt entgegenwirken. Wenn das Geld fehlt, könnte ich vielleicht auch eine erfinden. Nein, was ich vielmehr unterstellen will, ist: Wir alle schmücken uns mit fremden Federn. Denn: Wer viele Leute kennt, ist cool. Wer interessante Leute kennt, noch cooler. Und je enger die Freundschaft, desto besser: „Ich kenn da jemanden, der auch gerade in Australien ist“ klingt einfach scheiße. Deshalb ist es die beste Freundin, notfalls auch ein guter Kumpel, und im Idealfall der feste Freund.


Mit dem lässt es sich sowieso am besten angeben, das weiß ich spätestens seit der zehnten Klasse. Schon damals streute ich gern, wie mobil ich sei, da mein Freund ja ein Auto hat. Oder dass er morgen seinen 20. Geburtstag feiert. Oder längst studiert. Dass die Wortkonstruktion „mein Freund“ variabel anwendbar ist, stört ja niemanden. Problematischer wird diese Geschichte für Singles. „Mein Freund“ ist vielleicht variabel, aber dennoch nur im Falle von Monogamie anwendbar – so engstirnig und definitionsbesessen sind wir halt noch. Das wurmt die Singlefrau, die interessante Männer kennenlernt, aber nicht damit prahlen kann. Wie gesagt: „Ein Bekannter von mir...“ hört sich scheiße an. Über Affären spricht man nicht. „Fickbeziehung“ ist respektlos. Und jede andere Umschreibung zu erklärungsintensiv.


Die Lösung brachte mir der Zufall: Am Sonntag chauffierte ich einen netten Jura-Studenten von Bremen nach Leipzig, der mir folgende Wortschöpfung vor die Füße legte: Hauptfreund. Frei verwendbar für jede denkbare Art der offenen Beziehung, für alles zwischen bestem Freund und festem Freund. Außerdem großartig monogamiefeindlich, denn ein Hauptfreund impliziert Nebenfreunde. Wundert euch also nicht, wenn ich wieder mit protzen anfange. Schließlich spricht mein Nebenfreund fließend Spanisch. Und mein Hauptfreund ist Tennisprofi.

2007!

Während Denise einen rührenden Rückblick auf das letzte Jahr schreibt, setz' ich vorsichtshalber Scheuklappen auf – bevor ich noch sentimental werde – und schau stur nach vorn. 2007! Vorgestern (ups, das ist jetzt doch ein Rückblick) bekam ich einen Brief. Absender: Berliner Zeitung. Inhalt: Zusage Praktikum. Zeitraum: 5. März bis 13. April. Ort: Lokalredaktion, mitten in Berlin, direkt am Alex.


Ich spielte kurz mit dem Gedanken, vor Freude quiekend aus dem Fenster zu springen, da das die einzige Fluchtmöglichkeit schien; dachte mir dann aber, nein, im Rollstuhl kommst du nicht in den 14. Stock. Dort befindet sich nämlich die Redaktion.


Nach zwei mindestens mittelstressigen Monaten zu Beginn des neuen Jahres – also stressiger als alles, was ich seit September gemacht habe – werde ich deshalb im März Mittweida den Rücken kehren. Denn nach dem Praktikum in Berlin verschlägt es mich ja von Mai bis Juli hierhin. Cityhopping fürs Zonenkind, so lieb' ich das.


Mein wunderschönes Heim werd ich deshalb leider veräußern müssen. Detailinfos für alle Interessierten finden sich hier. Und wer Kontakte nach Berlin oder Budapest hat: Ich such' noch ne Bleibe.


Auf ein großartiges Jahr 2007!

Wednesday, December 27, 2006

Fundstück II

Die Plackerei hat sich gelohnt. Habe heute schätzungsweise zehn Stunden lang Möbel gerückt, Schränke aus- und wieder eingeräumt, kiloweise Müll respektive veraltetes Hab und Gut weggeworfen, meinem Vater beim Löcher bohren zugeschaut assistiert. Jetzt hab ich mehr Platz in meinem alten Zimmer und fühl mich wieder wohl, ich meine, hin und wieder muss ich hier ja noch ein paar Tage verbringen, nicht wahr. Jetzt, beim Feinschliff, also beim ausräumen einiger Kästen, die ich anscheinend seit Jahren nicht geöffnet habe, die Überraschung, der Lohn, das i-Tüpfelchen. Trommelwirbel! Ich habe Geld gefunden. Sieben Euro achtundachzig. In einer kleinen Papiertüte. Hauptsächlich italienische Münzen, ein paar französische und eine, die ich nicht deuten kann. Scheint, als wollte ich mal eine Münzsammlung aufmachen. Ist mir aber mittlerweile scheißegal. Meine Möbel zahlen nämlich keine Zinsen. Statt dessen gibt’s morgen nen Extra-Cocktail.


Apropos: Lasst euch deshalb nicht von Fundstück Nummer Eins ablenken, das übrigens auch bei dieser Umräumaktion wieder ans Tageslicht kam. Ich will ein paar Vermutungen hören, bevor ich auflöse.

Tipp: Der BH ist meiner, und er klebt da nicht ganz freiwillig.

Tuesday, December 26, 2006

Fundstück I


Was ist hier wohl passiert?

(Auflösung dort)

Monday, December 25, 2006

Grußkartenterror

Weihnachten ist das Fest der Liebe, und Liebe muss man großzügig verteilen, damit möglichst viel davon zurück kommt. Das geschieht in der Generation unserer Eltern und Großeltern ganz traditionell per Grußkarte – handgeschrieben, im Idealfall. Es ist ein Phänomen: Man schickt sie nämlich nicht nur an Leute, die man mag, was ja vollkommen in Ordnung wäre. Man schickt sie auch an Leute, von denen man glaubt, sie würden es erwarten. Es ist eine Art gesellschaftliche Pflicht, man will sich ja nicht unbeliebt machen. Also grüßt man neben den drei besten Freunden und der Oma auch Tante Trude aus dem Westerwald, die man gar nicht leiden kann, den Großcousin, den man seit der Jahrtausendwende nicht gesehen hat, und den Vermieter, damit er einmal öfter verzeiht, dass keiner das Treppenhaus fegt.


Im U-30-Alter sind Grußkarten zum Glück absolut out. Doch kein Grund zur Erleichterung: Es gibt ja SMS. Ich bekam gestern ein paar davon: Geistreiche, mäßig interessante und unkreative; persönliche, persönlich wirkende und Massen-SMS. Alles Indikatoren der eigenen Stellung im sozialen Netz? Nicht, dass ich mich nicht gefreut hätte – aber ist das jetzt Höflichkeit, Zwang, oder wirklich ein ernst gemeinter, netter Gruß? Was ist mit den Leuten, die mir nicht schreiben, was zweifellos die Mehrzahl ist? Ist irgendwer angepisst, wenn ich mich nicht melde? Interessiert mich das alles überhaupt?


Meine Schwester hat ihr eigenes System. Sie verschickt wenige persönlich formulierte und viele Massen-SMS. Ich hab übrigens keine bekommen, fällt mir gerade auf, aber okay, ich hielt mich auch im selben Raum auf. Egal: Sie notierte sich, wer geantwortet hat. Begründung: „Die anderen bekommen beim nächsten Mal keine.“ So kann man es auch machen, aber andererseits: Lächerlich, Bekannte zu Freunden zu befördern und Freunde zu Bekannten zu degradieren, nur weil sie eine SMS tippen oder eben nicht. Ich hab niemandem geschrieben, ich habe nur geantwortet, falls jemand so tickt wie meine Schwester. SMS von mir gibt’s erst an Sylvester – falls mir danach ist.

Sunday, December 24, 2006

Besinnliche Weihnachten?

Frohe Weihnachten kann man wünschen, gern auch fröhliche, da das eher meiner Natur entspricht. Frohes Fest ist okay, schöne Feiertage auch und so weiter. Aber besinnliche Weihnachten? Worauf soll ich mich denn besinnen?


Da ich im Duden keinen vernünftigen, begriffserklärenden Eintrag zum Wort „besinnlich“ gefunden habe und mir die Lust fehlt, weitere Sekundärquellen heranzuziehen, mach ich mir die Herleitung jetzt selbst. Besinnlich kommt von besinnen, besinnen heißt so viel wie nachdenken, sich erinnern, vielleicht auch zur Ruhe kommen und die Sinne frei kriegen.


Nun – meine Sinne sind frei, und ruhig bin ich auch. Wenn schon nicht immer, dann zumindest nach drei Tagen Hardcore-Chillout in Oldenburg, was gar nicht so klein ist, wie ich dachte, aber äußerst kleinstädtisches Flair hat. Niedlich. Nachdenken tu ich ebenso grundsätzlich ungern, zumindest nachdenken um des Nachdenkens Willen find ich ganz gruselig. Das hat so einen ernsten Anstrich, das hat was von grübeln. Entweder ich denke, um eine Lösung zu finden, oder ich tagträume, und zwar grundsätzlich positiv. Aber das ist nicht besinnlich. Besinnliches Nachdenken liegt mir fern.


Erinnern könnte ich mich. Vielleicht daran, wie ich als Kind Weihnachten gefeiert habe: Gar nicht. Das hat mit der „Religion“ zu tun, die meine Großeltern auf meine Eltern vererbt hatten – und die bei diesen nun Gott sei Dank zum Glück dem Atheismus gewichen ist. Der gilt als viel weniger spaßfeindlich, damit kann ich mich anfreunden. Noch dazu mit dem ganzen darwinistischen Zeug, eine tolle Weltanschauung, wie ich finde. Aber das ist ne andere Geschichte. Zurück zu Weihnachten: Früher haben wir das nicht gefeiert. Von meinen Mitschülern wurde ich deshalb bemitleidet, aber ich kannte es nicht anders und hab es nie vermisst. Geschenke bekam ich zu anderen Anlässen. Klassische Weihnachtsgeschenke kenne ich deshalb erst seit einigen Jahren, und einen Baum gibt es bei uns immer noch nicht – statt dessen ein provisorisches Weihnachtsbananenbäumchen ohne Kugeln und Lametta.



Nichts desto Trotz freu ich mich darüber, Geschenke zu bekommen und zu machen. Aber nicht, weil Weihnachten ist und es sich so gehört. Sondern einfach so und weil ich vom engsten Familienkreis keine kitschigen Tonengel oder Socken oder Frauenromane geschenkt bekomme. Dieser Fakt trägt viel zu meiner positiven Einstellung bei und wird sich möglicherweise morgen wieder ändern, wenn Verwandschaftsbesuche anstehen. Nun ja, was solls.


Übrigens: Das kreativste Geschenk, was mir meine Eltern gemacht haben – beide treue Leser meines Blogs – war ein Friseurgutschein. Nicht irgendeiner, sondern ein Gutschein für genau den Salon, in dem der heißeste Typ der Welt arbeitet. Ja, ich geb es ungern zu, aber er ist auch noch Friseur.